|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
PhilosophieNeues Leben in alte Mauern zu bringen, das ist das Motto der engagierten Frauen und Männer des "Victor Jaras". Das Kunst- und Kulturzentrum in Plagwitz nahm den noch aus DDR-Zeiten bekannten Namen wieder an, denn die Bandbreite des chilenischen Namensgebers kam den Intentionen der Klub-Betreiber sehr nahe. Victor Jara (1932-1973) war ein weltbekannter Künstler, der nicht nur die Musik und die Kultur seines Landes beeinflusste, sondern auch als Freiheitskämpfer und Volksheld in die Geschichte einging. Geschichtsträchtig ist auch das Gebäude in der Zschocherschen Straße 12. 1842 ließ C. W. Naumann mit viel Aufwand und Mühe ein Kellergewölbe in das Gestein hauen, um seinen Traum von einer Bierbrauerei zu verwirklichen. Nach einigen erfolgreichen Jahren konzipierte er das Gebäude zusammen mit Karl Heine zu einer Veranstaltungsstätte mit Restaurationsbetrieb um - es entstand eine der ältesten Veranstaltungsstätten Leipzigs. Das Geschäft florierte. Plagwitz und die angrenzenden Stadtteile entwickelten sich dank der stetigen Umsetzung der Visionen Karl Heines. Erst als der Gewölbekeller Ende des 19. Jahrhunderts dem Besucherandrang nicht mehr gewachsen war, ließen C. W. Naumann und Karl Heine in einem weiteren gemeinsamen Projekt das bekannte „Ballhaus Felsenkeller" errichten. Dieses verdankte seinen Namen dem in den Fels gehauenen Gewölbekeller. In den 60ern entdeckte die FDJ das Gebäude für sich. Die Rekonstruktion der ehrwürdigen Mauern war aufwändig und mit hohen Kosten verbunden. Doch der FDJ-Jugendklub "Victor Jara" überzeugte durch seine Funktionalität und gute Resonanz. Beides, die Funktionalität und die gute Resonanz der Besucher, überzeugten etwa zehn Jahre später Stadtväter und Investoren davon, dass der Ausbau der Moritzbastei keine wirtschaftliche Fehlentscheidung sei. Der FDJ-Klub änderte seine konzeptionelle Ausrichtung und wurde unter dem Namen „Victors Garten" eine der best frequentierten Diskotheken und Veranstaltungsstätten der Stadt. Leider wurde Anfang der 90er der Schlüssel zum Gewölbekeller für lange Zeit herumgedreht und das Gebäude, der Veranstaltungsort geriet in Vergessenheit. Im Sommer 2006 nahm sich eine kleine Gruppe Enthusiasten des Gebäudes wieder an. Nach fast 16-jährigem Dornröschenschlaf war es an der Zeit, wieder Leben in das mittlerweile sehr verfallene und marode Gebäude zu bringen. Mit wenig Geld, dafür mit umso mehr Energie und einer ordentlichen Portion Improvisationstalent packen sie an und verhelfen dem Gewölbe zu neuen alten Glanz. Von außen scheint das „Victor Jara" etwas unscheinbar, doch im Gewölbekeller, dem Herzen des Gebäudes, offenbart sich eine ganz besondere Atmosphäre: Altes Gemäuer, gemütliche Sitzgruppen, stimmungsvolles Licht, das mal Gemälde und Photographien so richtig in Szene setzt, ein anderes Mal eine Lesung oder ein Konzert perfekt abrundet. Doch nicht nur kulturelle Veranstaltungen, sondern auch sub-kulturelle Events haben hier eine neue Heimstätte gefunden. Das „Victor Jara" ist eben unkonventionell und lässt sich in keine Schublade stecken. Die Wiederbelebung des Gewölbes bzw. des „Victor Jaras" als Kunst-, Kultur- und Veranstaltungsstätte soll für die Machen in keiner Weise nach dem klassischen Schema ablaufen. Kontrapunkte und eine unübliche Herangehensweise sind gewollt. Alles in Allem ist das „Victor Jara" ein außergewöhnliches und beispielgebendes Projekt. Es zeigt, dass mit Idealismus, Eigeninitiative und einer Portion Unkonventionalität Träume wahr werden können. Kunst, Kultur, Emotionen Weitere Links zum Thema:
|
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||